Oft sind mir Menschen begegnet die bleibende Spuren hinterlassen haben.. von einigen  möchte ich erzählen

Hermann

Als ich ihn zum erstenmal traf, sass er auf einer Bank am Friedhof in der Sonne. Das Grab seiner Frau in der Nähe, so als wollte er sie noch eine Weile bei sich haben. Ich spürte seinen Wunsch sie zurück .Wir trafen uns immer wieder, er hatte sein Ritual des Tages.
Irgendwann an einem Sommertag kamen wir ins Gespräch, sassen zusammen auf der Bank. Sein Lachen, seine Art, seine Größe, seine Aura erinnerte mich an meine erste große Liebe 1968. Lange war es her und doch noch etwas in mir.
Es waren gute Gespräche über Alltag, Beruf, Jugend seine verlorene Liebe. Ich erzählte von meiner Liebe zuhause, meinem kranken Partner.
Wir waren uns nah nur durch Reden und Zeit.
Zu seinem 70. Geburtstag im März schenkte ich ihm einen Spruch von mir mit Foto 

Eine Bank ist der Ort für Gedanken, Gespräche und Erinnerungen.

Er freute sich sehr und ich mich das er es schätzte.
Im Februar 2019 kam er auf mich zu, erzählte mir traurig über seine 
Krebsdiagnose. Gerne hätte ich ihn in den Arm genommen, getröstet,
doch zuviele Menschen waren dabei. Wir redeten lange, ich machte ihm Mut, da mein Mann dasselbe Schicksal Jahre zuvor hatte und es überstand.
Die Gespräche wurden dann weniger, die Begegnungen seltener.
Als wir uns das nächste Mal trafen, war es wieder Sommer. Er sah nicht 
schlecht aus, nur ein wenig hager, einwenig müde, ein wenig blass. Eine zweite Chemotherapie wollte er nicht und hoffte auf ein Wunder, ich auch.
Wir sagten Tschüß mit Zuversicht.
Danach war die Bank leer.
Im Oktober 2019 las ich in der Zeitung seine Todesnachricht und das mit Tränen. Er wurde 72 Jahre.

Ich glaube ich kaufe mir einen Bär, er bekommt einen besonderen Platz,
nenne ihn Hermann, denn da würde er lächeln.

Begegnung in der Bäckerei


Meine Nägel sahen gut aus, ein Farbton zwischen pink und rot
passend zum Lippenstift. Der Nageldesigner hatte perfekt gearbeitet
und ich war einige Scheine los.
Was soll`s dachte ich mir und hörte noch die Stimme des Reiseleiters
in der Türkei. Den Spruch " gönn dir was " sagte er immer beim Zwischenstop. Um meine gute Laune aufrecht zu erhalten, schlenderte
ich ins Paradies der Handtaschen... und siehe da eine hing da, rief leise
" Hallo Heidi ". Herrliches weiches Leder in leichtem Goldton, ein Hit.
 Ein Einzelstück. Was tut  da die Perle der  Schnäppchen ?
Schnappt zu bezahlt und mit ihrem Prachtstück am Arm  marschiert
 sie zum Bäcker um Brot und Brötchen zu besorgen.
Eine Schlange hatte sich gebildet. Der Tresen voll beladen mit leckeren Backwaren und einem Duft der Frische im Raume. Es ging hektisch zu, keiner wollte lange warten. Vor mir stand ein Junge mit etwa 10 Jahren und Lockenhaar. Er starrte auf den Tresen und fragte als er an die Reihe kam
was ein belegtes Brötchen kostet und hielt 50 Cent in die Höhe.
Die Verkäuferin japste darauf mit " da kriegste nix ". Alle Köpfe in der Schlange starrten mich an, als ich ihn fragte " ist eine Butterbrezel auch okay "Der Junge strahlte und nickte, ich kaufte meine Teile übergab die 
Brezel weiter.
Der Junge sagte mehrfach Danke, ging zur Tür, kam zurück und wollte mir die 50 Cent übergeben. Ich habe dich doch eingeladen sagte ich darauf. Gerne hätte ich ihn zu einem Kakao oder Cola eingeladen, aber er
durfte seinen Bus nicht verpassen.
Mein Brötchen mit Frischkäse und Radieschen schmeckte mir zuhause 
plötzlich noch besser.

..... das sind die kleinen Begegnungen die das Leben ausmachen....

Ein Schuhladen hat immer Ausverkauf, so auch diesmal. Eigentlich
brauchte ich nichts, hatte selbst noch neu verpackte Schuhe in der Schachtel zuhause. Nun denn die weibliche Neugier kann qualvoll sein,
Diese Qual der Wahl überlebte ich nur durch das Türe öffnen des Ladens.
Meine Richtung zur passenden Größe führte mich vorbei an den Kinderschuhen. Als ich einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen
mit glücklichen Augen auf mich zu rennen sah wurde ich aufmerksam. Beide zeigten mir stolz ihre neuen Schuhe am Fuß und wedelten dabei im Takt, Der Junge sprach gebrochen deutsch , das Mädchen war noch zu klein. Mit einem fröhlichen Lachen ging ich auf die Kinder zu mit der Bermerkung " so tolle Schuhe habe ich nicht " zeigte dazu meine die bequem aber nicht neu waren. Ich strich beiden über den Kopf, wie man es spontan tut. Nicht alle  Eltern mögen es gerne. Doch der Vater und die Mutter kamen danach auf mich zu und wir kamen ins Gespräch. Sie waren aus Syrien dem Land ohne Zukunft und hatten viel trauriges erlebt. Hier bei uns hatten sie ein neues Zuhause, nennen wir es Stolpersteine der Ungewollten. Man spürte eine aufrichtige Herzlichkeit
und genauso endete unser Dialog. Zum Abschied sagte der Mann zu mir in bereits gut verständlichem etwas gebrochenen deutsch " wir  wünschen Ihnen viel Glück im Leben, sie sind eine nette Frau ". Ich war erstaunt darüber und 
gab ähnliche Worte als Antwort zurück.
Die Kinder liefen stolz grinsend aus dem Laden.
Ich brauchte darauf keine neuen Schuhe mehr, ich hatte eine Tüte Glück ganz kostenfrei.

Es wurde wieder einmal ein guter Tag
.

Begegnungen mit Wohnungslosen

Kurz nach der Wende

Es war noch früh am Morgen. Eigentlich garnicht meine Zeit um einzukaufen, aber heute wollte ich noch einiges erledigen.
Im Supermarkt war schnell mein Einkaufswagen gut gefüllt und ich 
stand zur Bezahlung an der Kasse. Viel zuviel dachte ich, als vor mir 
ein junger Mann seine Habseligkeiten aufs Vorderband stellte.
Eine große Dose Hundefutter, ein Toastbrot der billigen Sorte.
Er zählte sein Kleingeld bezahlte und ging.
Als ich nach draußen kam, sass er am Boden ass sein Brot ohne Belag,
daneben sein Hund das Dosenfutter. Ich verstaute meine Einkäufe und wußte so fährst du nicht nach Hause. Ich zog einen Schein aus meinem Portemonnaie und ging auf die zwei zu und drückte mit einem Lächeln ihm das Geld in seine Hände. Er lächelte erstaunt mit einem vielen Dank zurück. Wir sprachen kurz , Ich erfuhr er kam aus den neuen Bundesländer und er ist nun auf Sinnsuche. Wie danach so viele.
 Ich stellte fest ein netter Typ, ein toller Hund. Mit einem Winken und alles gute Ruf wurde mir warm trotz Morgenkälte.

Es war ein guter Morgen, ein guter Tag. 

Ein besonderer 6. Dezember


Im Büro hatte sich für mich Besuch angesagt. Die Mutter einer zwar anspruchvollen, aber sehr korrekten und fachlich überaus versierten Kundin, die mich sehr schätzte,  kam wie jedes Jahr zu den Feiertagen wie Ostern und Vorweihnachtszeit mit Geschenken vorbei. Schick frisiert und immer freundlcih nahm sie mich in den Arm, bedankte sich im Namen der Optikerfirma.
Diesmal war die Überraschungen gelungen. Champagner, Chanel No.5, ein riesiger Weihnachtsmann aus der Konditorei. Ich dachte so ein Teil hätte ich mir als Kind gewünscht. Nach Feierabend lief ich zum Parkplatz beladen,
dazu das Riesenteil aus Schokolade im Arm.
 Es war bereits dunkel, als ich plötzlich eine etwas verlorene Gestalt mit Rucksack , einem dicken Schal um den Hals und einem zottlingen Hund auf mich zu kommen sah. Es roch streng als er mir entgegen kam.
 Hurra ich habe Chanel, schoss es mir durch den Kopf. Ich sah nun in ein leicht gerötetes gealtertes Gesicht. Ein lautes OH galt meinem Typ Schokomann unterm Arm.
Ein Blitzgedanke in mir, ich reagierte und übergab ihm den schön verpackten Weihnachtsmann als gute Gabe des Tages.
Ein großes Erstaunen und ein MANNO mit dreimal Danke und ein helles Hundegebell war die Antwort, ich  freute mich sehr.
Beide überquerten danach die Straße.

Es wurde ein guter Abend